Zurück 28. Mai 2018

Architekt und Generalplaner DI Peter Lorenz über sein Bauprojekt für die Medizinische Fakultät Linz

In der Verlagsbeilage der OÖNachrichten vom 24. Mai 2018 hat Architekt und Generalplaner DI Peter Lorenz von den LORENZATELIERS zu seinem Bauprojekt in einem Interview Stellung genommen.

Arch. DI Peter Lorenz, LORENZATELIERS; Foto: Wurnig

Was hat Sie motiviert an dem Architekturwettbewerb in Linz teilzunehmen?

Lorenz: Mit dieser spannenden Stadt verbindet mich eine besondere Beziehung durch in der Vergangenheit erfolgreich umgesetzte Projekte und meine frühere Tätigkeit im Linzer Gestaltungsbeirat. Als Beirat kann man Verbesserungsvorschläge machen. Als Architekt sollte man weniger reden und besser zeichnen, was man für richtig hält.

Können Sie uns Ihre architektonische Vision hinter diesem Projekt beschreiben?

Lorenz: Am Anfang steht die Stadt und nicht die Architektur. Eine Vision geht daher zuerst von der Beobachtung der Stadt aus. Linz hat einen Bedarf an attraktiven öffentlichen Räumen und das Uniklinikum ist ein dichter und intensiver Stadtteil. Wir wollten für das gesamte Areal einen Begegnungsraum schaffen und nicht nur funktionierende Räume hinter schönen Fassaden. Weiters sollten die vier Baukörper gemeinsam einen öffentlichen Raum bilden, aber jeder für sich seinen Charakter darstellen - ähnlich wie eine Gruppe von Lehrenden bzw. Studierenden. Die verschiedenen Charaktere werden durch die vier Materialien vermittelt: Stahl, Holz, Beton und Keramik. Solche architektonischen Gedanken müssen auch verstanden und getragen werden. Deshalb sind wir dankbar, in Linz die Intelligenz und Sensibilität vorgefunden zu haben.

Was zeichnet dieses Lehr- und Forschungsgebäude im Vergleich zu anderen aus?

Lorenz: Wir haben uns viele Campussituationen angeschaut. In das Stadtgefüge integrierte, neue Universitäten, mit stadträumlichen Qualitäten, die als Campus ansprechbar sind, gibt es sehr selten. Wir haben schon den Ehrgeiz, hier eine Lehr- und Lernatmosphäre zu schaffen, die einzigartig ist. JKU und Kepler Uniklinikum tragen das Projekt fantastisch mit.

Inwiefern ist es gelungen, funktionale Anforderungen und architektonischen Anspruch zu verbinden?

Lorenz: Wie beim Eiskunstlauf: Die Funktion ist die „Pflicht“- die Architektur die „Kür“. Architektur ohne funktionelle Lösung gibt es nicht. Die Aufteilung auf vier Baukörper entspricht aber nicht nur den funktionellen Anforderungen. Architektur sendet ihre Zeichen und deshalb können wir Architektur auch als ein Zeichen-System für lesbare Botschaften begreifen, schlussendlich als ein Teilgebiet der Semiotik. Es bleibt den Betrachtern überlassen, welche Zeichen und Botschaften sie erkennen können - wie in der Kunst erkennt jeder das seine.

Wie würden Sie die grundsätzliche Philosophie der LORENZATELIERS beschreiben?

Lorenz: Wir bemühen uns laufend zu erforschen, welche Prinzipien uns leiten sollen. Die Denkrichtungen streben auseinander, klare Orientierung vernebeln sich. Beständig gleich bleibt die Leitlinie des Humanismus, das heißt eine unverbesserliche optimistische Einschätzung der Fähigkeit der Menschen zu einer besseren Existenzform zu finden. Es wäre zeitgemäß und einfach nur „gefällige“, „wunschgerechte“, „gewohnte“ Räume zu denken, doch das hieße die kulturelle Entwicklung abzuschließen. Es ist erstaunlich wie unterschiedlich Menschen Räume rezipieren und diese Wahrnehmungen die Gehirne beeinflussen. Als Architekten sehen wir die unglaubliche Chance, für die Menschen Räume zu erfinden. In diesem Sinne hoffen wir, dass dieser Campus die urbane Welt in Linz bereichert, fordert, stärkt und das Stadtviertel aufwertet.